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Hier berichtet unser Freiwilliger Lukas Mecking von seinem Friedensdienst in einer Schule von Guayaquil.

Hammerhart!

Gerade bin ich von unserem Zwischenseminar zurück und mir wird bewusst, dass ich schon fast die Hälfte meines Auslandsaufenthaltes hinter mir habe. Dies ist mir besonders dadurch klar geworden, dass ich nun meinen endgültigen Rückreisetermin erhalten habe, am 15. August werde ich wieder nach Deutschland fliegen. Einerseits habe ich mich zwar schon sehr gut eingelebt und vieles ist für mich Alltag geworden, andererseits ist die Zeit jedoch im Rückblick sehr schnell vergangen und ich habe nicht das Gefühl, nun schon sechs Monate hier zu sein. Normalerweise heißt es ja immer, die zweite Hälfte eines Auslandsjahres sei deutlich besser, doch ich bin auch schon mit der bisherigen Zeit hier sehr zufrieden. In meinem zweiten Bericht möchte ich nun nicht mehr so viel über meine alltägliche Arbeit schreiben, da ich dies ja schon in der ersten Ausgabe unserer Zeitung getan habe und gehe mehr auf bestimmte Ereignisse und Erlebnisse in den letzten Monaten ein.

Zuerst möchte ich jedoch kurz über das Zwischenseminar berichten, welches ich zusammen mit meinem Freiwilligenkollegen Lukas Herbst besucht habe. Organisiert wurde das Seminar von der Erzdiözese München und Freising, teilgenommen haben 20 Freiwillige und zwei Begleiter, welche die Seminarleitung übernommen haben. Der Ort für unser Zusammentreffen war Baños, ein besonders bei Touristen sehr bekanntes und beliebtes Reiseziel, was sich auch deutlich auf das Stadtbild auswirkt. Es gibt unzählige Bars, Internetcafés und Reisebüros und auch zieht man aufgrund der Vielzahl von Touristen auf der Straße nicht ganz so viele Blicke auf sich, wie man es beispielsweise in Guayaquil als „Gringo“ gewöhnt ist (so wird pauschal jede hellhäutige- und haarige Person bezeichnet, auch wenn das Wort eigentlich US- Amerikaner meint). Baños hat auch tatsächlich sehr viel zu bieten, so konnten wir an einem Tag den Sonnenaufgang in den berühmten Thermalbädern genießen oder haben einen Ausflug zu den zahlreichen Wasserfällen in der Nähe gemacht, von denen wohl der „Pailon del Diablo“ den Höhepunkt darstellt. Von der Stadt aus hat man bei gutem Wetter einen schönen Blick auf den „Tungurahua“, einen noch aktiven Vulkan, der die beschriebenen Thermalbäder speist. Auch das Nachtleben in Baños ist in Ecuador berühmt, auch wenn die Beteiligung der Gruppe an Abendaktivitäten nicht optimal war, konnten wir uns doch schließlich selbst davon überzeugen.

Sehr spannend war auch, während des Seminars etwas über die Projekte der anderen Freiwilligen zu erfahren, die insgesamt doch sehr unterschiedlich waren, genauso wie die verschiedenen Einstellungen und Erwartungen zur Freiwilligenarbeit. Es war zudem auch ein guter Austausch möglich, so gab es einige, die genauso wie ich Englisch an einer Schule unterrichten. Zwar konnten wir nicht auf alle Probleme eine Antwort finden, es war aber auch einfach mal schön zu hören, dass auch andere ähnliche Probleme haben und es nicht nur an einem selbst liegt. Auch hat man für zukünftige Reisen innerhalb Ecuadors nun ein paar Adressen und Nummern für Ausflüge und kostenlose Übernachtungen. Zudem muss auch besonders das leckere Essen in unserer Herberge hervorgehoben werden, für welches die Leiterin des Hauses verantwortlich war, eine deutsche Ordensschwester. So gab es statt typischem ecuadorianischer Küche auch einmal Kartoffelpüree (!) und Gulasch. Wenn man ansonsten zweimal am Tag Reis gewöhnt ist, ist das schon einmal eine schöne Abwechslung.

Eine wichtige Rolle in den letzten Monaten hat natürlich auch hier die Weihnachtszeit gespielt. Im Vorfeld habe ich den Festtagen mit gemischten Gefühlen entgegengesehen, da ich mich natürlich darauf gefreut habe zu sehen, wie hier gefeiert wird, aber andererseits auch zum ersten Mal ohne meine Familie gefeiert habe. Das wurde natürlich dadurch abgemildert, dass ich den Besuch meiner Geschwister am 25. Dezember vor Augen hatte. Da ich hier sozusagen zwei Gastfamilien habe, einmal die Familie in deren Haus ich lebe und andererseits die Familie meiner Chefin, musste ich mich entscheiden mit welcher Familie ich feiern möchte. Heiligabend habe ich schließlich mit der Familie gefeiert, mit der ich zusammenwohne und war überrascht wie ähnlich der 24. In Deutschland und in Ecuador gefeiert wird. Abends sind wir gemeinsam in die Kirche gegangen, danach gab es den obligatorischen „Pavo“ (Truthahn) und später wurden die Geschenke unter dem künstlichen Tannenbaum ausgetauscht.

Danach hatte ich zwei sehr schöne Wochen mit meinen Geschwistern, die jedoch erwartungsgemäß viel zu schnell vorbei waren. Trotzdem glaube ich es geschafft zu haben, ihnen einen Einblick in mein Leben hier zu ermöglichen und die wichtigsten Leute hier vorzustellen. So habe ich sie mit zu meiner Schule genommen, habe ihnen das Büro meiner Organisation gezeigt und wir haben auch einige Zeit mit beiden Gastfamilien verbracht. So gab es zum Beispiel ein großes Krabbenessen bei meiner Gastfamilie, bei dem meine Geschwister in das gar nicht mal so leichte Handwerk des Krabbenessens eingeführt wurden.

Silvester haben wir schließlich mit der Familie meiner Chefin in deren Strandhaus verbracht, was ebenfalls eine einmalige Erfahrung war. Ein größeres und längeres Feuerwerk habe ich wohl noch nie irgendwo gesehen (es wird auch schon deutlich vor 12 Uhr angefangen) und am Silvesterabend gab es dann doch sehr große Unterschiede zu meinen bisherigen Feiern in Deutschland. So wurden beispielsweise um 00.00 Uhr überall Pappmaché- Figuren verbrannt, was am Strand später großen Osterfeuern glich und wohl die Überwindung schlechter Einflüsse aus dem Vergangenen Jahr symbolisieren soll (sehr beliebtes Symbol war übrigens der aktuelle Präsident Ecuadors). Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche weitere Bräuche, wie zum Beispiel der Verzehr von 12 Trauben, bei der jede einzelne für einen besonderen Wunsch für das neue Jahr steht. Zudem hat unsere gemeinsame Zeit noch für einen zweitägigen Ausflug in die Hauptstadt Quito gereicht, vorher haben meine Geschwister noch die äußerst angenehme Bekanntschaft mit dem Busterminal in Guayaquil machen dürfen. Dieses war wieder einmal total überfüllt und hat unsere ursprünglichen Pläne durchkreuzt, nach „Baños“ zu fahren (für mich im Nachhinein eher Glück, da unser Zwischenseminar in Baños war und ich so beide Städte sehen konnte).

Natürlich fiel der Abschied dann ziemlich schwer, aber begünstigt durch die Tatsache, dass zwei Wochen nach der Abreise meiner Geschwister schon die Examen mit meinen Kindern begannen, war ich doch sehr schnell wieder zurück in meinem Arbeitsalltag. Die Examen habe ich jetzt auch schon hinter mir, diesmal fiel mir die Erstellung und Benotung schon deutlich leichter, jedoch kam erschwerend hinzu, dass ich auch die Noten für das Abschlusszeugnis geben musste. Da einige der Kinder nun auf die weiterführende Schule gehen werden und die Englischnote auch ein Faktor dafür sein kann, ob ein Kind nun an der Schule genommen wird oder nicht, war dies natürlich nicht so einfach.

Nun habe ich aber zwei Monate Schulferien, es stehen auch einige Feiertage wie Karneval vor der Tür, auf die ich mich sehr freue. Zurzeit arbeite ich vermehrt im Büro meiner Organisation, zusätzlich startet im März ein Ferienkurs für schwächere Schüler, was ich auch für Englisch anbieten werde. Die Schulferien sind auch der Regenzeit geschuldet, die jetzt gerade begonnen hat und ein weniger angenehmes Klima mit sich bringt. Es bleibt sehr heiß und durch den ständigen Regen wird die Luftfeuchtigkeit sehr stark angehoben. Aber wenn ich von den Minusgraden in Deutschland höre, möchte ich mich eigentlich gar nicht beschweren ;)

Zum Schluss möchte ich noch ganz besonders meinem Unterstützerkreis in Deutschland danken und grüße meine Freunde und Familie. Ich hoffe ich konnte Euch einen Einblick in meine letzten Monate hier geben!

Hasta pronto

Euer Lukas


Friedensgottesdienst in der Pax - Christi - Kapelle

Jeden Mittwoch findet in der Pax - Christi - Kapelle um 17.00 Uhr eine Messe für den Frieden statt. Zugang zur Kapelle über das Pfarrhaus von St. Bernhard.


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